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Mitarbeiterurlaub: Das sind die Rechte des Chefs

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Stellen Sie sich vor, alle Ihre Angestellten wollen gleichzeitig in Urlaub gehen. Wie soll der Betrieb da weiterlaufen? Wir sagen Ihnen, welche Rechte und Pflichten Sie als Arbeitgeber bei diesem Thema haben.

Vielen ist das nicht bekannt, aber es gibt tatsächlich ein eigenes Gesetz zum Thema Urlaub: Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) regelt seit 1963 die Rahmenbedingungen rund um den bezahlten Erholungsurlaub.

Zahl der Urlaubstage


Die Mindestanzahl der Urlaubstage bestimmt § 3 BUrlG. Sie beträgt 24 Werktage pro Jahr bei einer 6-Tage-Woche und 20 Arbeitstage pro Jahr bei einer 5-Tage-Woche. Sie können mehr geben, zum Beispiel mit Bezug auf den Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder den Arbeitsvertrag.
Besondere Mitarbeitergruppen: Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung haben einen Anspruch auf fünf zusätzliche Tage Urlaub pro Jahr § 208 Sozialgesetzbuch IX. Den Urlaubsanspruch von Minderjährigen regelt § 19 des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Genehmigung erforderlich


Es gehört zu Ihren Aufgaben, Urlaub zu erteilen. Ihr Mitarbeiter darf den Urlaub nicht eigenmächtig antreten. Tut er das trotzdem, können Sie eine Abmahnung aussprechen oder sogar das Arbeitsverhältnis kündigen.

Dauer des Urlaubs


Die Terminierung und die Dauer des jeweiligen Urlaubs darf der Mitarbeiter im Urlaubsantrag als Wunsch äußern. Er hätte sogar das Recht, seinen gesamten Jahresurlaub in einem Stück zu beantragen. Sie dürfen seinen Wunsch jedoch ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe dagegensprechen.

Beispiele: Eine vierwöchige Abwesenheit eines Mitarbeiters würde die Betriebsabläufe gefährden. Oder der Vertriebsmitarbeiter wird während einer Fachmesse dringend gebraucht. Seinen Urlaub muss der Arbeitnehmer aber nicht komplett stückeln. Im Gegenteil: Das Gesetz sagt, dass eine Urlaubsphase im Jahr mindestens zwei Wochen am Stück dauern soll.

Überschneidungen, was wann ...


Wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig Urlaub machen wollen, müssen Sie klären, wer den Vorzug bekommen soll. Beachten Sie dabei soziale Kriterien wie zum Beispiel Betriebszugehörigkeit, Alter und Gesundheitszustand der betroffenen Mitarbeiter. Für die Zeit der Schulferien haben Antragsteller mit schulpflichtigen Kindern Vorrang.

Wartezeit für neue Mitarbeiter


Neu eingestellte Mitarbeiter müssen sich mit einer Wartezeit von sechs Monaten abfinden, bevor der volle Urlaubsanspruch entsteht § 4 BurlG. Ein Teilurlaubsanspruch entsteht bereits nach Ablauf eines Monats.
Streichen dürfen Sie einen gewährten Urlaub nur im absoluten Notfall.
Zurückholen aus dem Urlaub ist erst recht tabu. Hier müsste schon die Existenz der Firma auf dem Spiel stehen. Bricht Ihr Mitarbeiter seinen Urlaub aus betrieblichen Gründen ab, müssen Sie die Kosten dafür übernehmen.

Umgang mit Resturlaub


Der Urlaub muss nach Bundesurlaubsgesetz in dem Kalenderjahr genommen werden, in dem er entsteht. Ein Übertrag ins nächste Jahr ist nur in dringenden betrieblichen oder in der Person des Mitarbeiters begründeten Fällen erlaubt. Der Resturlaub muss bis zum 31. März des Folgejahres genommen werden. Eine weitere Verlängerung ist gesetzlich nicht vorgesehen, Sie können diese aber nach eigenem Ermessen gewähren.

Im November 2018 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass der Urlaub nicht wie bislang automatisch zum Jahresende verfällt, wenn der Mitarbeiter keinen Urlaubsantrag gestellt hat. Auch Sie als Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, dass ein Mitarbeiter seinen Urlaub auch wirklich nimmt. Weisen Sie ihn deutlich und rechtzeitig auf seinen Urlaubsanspruch für das laufende Jahr hin und fordern Sie ihn formell auf, den Urlaub zu nehmen.

Angeordneter Urlaub


Wenn Sie Betriebsferien anordnen, müssen Sie die Interessen Ihrer Mitarbeiter berücksichtigen. Gibt es einen Betriebsrat, darf dieser mitbestimmen.

Ein guter Tipp


Fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, die Urlaubswünsche zu Beginn des Jahres in eine Liste einzutragen. So können Sie Konfliktfelder frühzeitig erkennen und ohne Zeitdruck nach Lösungen suchen.