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Experte fordert polyzentrische Entwicklung für Metropolregion

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Vision von einer polyzentrischen Metropolregion: Dr.-Ing. Michael Bentlage bei seinem Vortrag. Foto: Manfred Hailer

Dr.-Ing. Michael Bentlage rechnet weiter mit dynamischem Wachstum – Volles Haus bei Vortrag

Die Metropolregion München boomt – und es ist kein Ende absehbar. Laut Dr.-Ing. Michael Bentlage, Akademischer Rat an der TUM, stehen die Zeichen weiter auf dynamisches Wachstum. Die zentrale Frage bei seinem Vortrag auf Einladung der Sparkasse Pfaffenhofen am Donnerstagabend war also nicht, ob der Boom anhält, sondern vielmehr wie die Entwicklung innerhalb der Metropolregion in Zukunft gestalten werden sollte. Dr.-Ing. Michael Bentlage hat aus Expertensicht eine klare Vision: weg von der Konzentration auf München und hin zu einer polyzentrischen Entwicklung, weg von der radialen und hin zu einer tangentialen Struktur. Doch die Realität sieht bislang anders aus, denn die Weichenstellungen der Politik gehen nach wie vor in die entgegengesetzte Richtung ...

Vorstandsvorsitzender Norbert Lienhardt konnte sich auch bei dieser Kundenveranstaltung über ein volles Haus im Sparkassen-Casino freuen. Das Thema und der Referent Dr.-Ing. Michael Bentlage hatten wie erwartet hohe Anziehungskraft. Unter den gut 200 Besuchern begrüßte der Sparkassen-Chef auch hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft – allen voran Martin Wolf in Doppelfunktion als Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Pfaffenhofen.

Norbert Lienhardt stellte den Referenten als einen der führenden Experten für Standortentwicklung mit beeindruckender Wissensbiografie vor und stimmte mit ein paar Zahlen und Fakten auf den Vortrag ein. Er erwähnte unter anderem, dass die Metropolregion München zu den dynamischsten Regionen in Deutschland und Europa zählt.

In Bayern nimmt sie rund 35 % der Fläche ein, verfügt aber über fast 50 % der Einwohner und der Arbeitsplätze im Freistaat. Und vom bayerischen Bruttoinlandsprodukt werden sogar 54 % erwirtschaftet.

Die Entwicklung in der Metropolregion München betrifft uns alle und jeder hat Berührungspunkte mit diesem Thema.- Dr.-Ing. Michael Bentlage, Akademischer Rat an der TU München

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Es sind gerade auch die negativen Begleiterscheinungen des Booms – wie hohe Mieten und Immobilienpreise oder die immer stärkere Verkehrsbelastung –, die jeder zu spüren bekommt. Dennoch zieht es die (jungen) Menschen immer noch stärker in die Ballungszentren und so wird das räumliche Ungleichgewicht weiter zunehmen. Darauf wies Dr.-Ing. Michael Bentlage gleich zu Beginn seines Vortrags hin. Er belegte seine Aussage mit verschiedenen Statistiken und Studien – u. a. zu Schwarmverhalten / Kohortenwanderung der jüngeren Generation (25- bis 34-Jährige).

Dr.-Ing. Michael Bentlage (links) im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Pfaffenhofen, Norbert Lienhardt. Foto: Manfred Hailer


Face-to-Face-Kontakt nicht zu ersetzen


Der Referent widersprach in diesem Zusammenhang der Meinung, durch Internet und fortschreitende Digitalisierung – in Verbindung mit dem Trend weg von stationären und hin zu mobilen Arbeitsplätzen – würden die Ballungszentren auf längere Sicht weniger attraktiv und an Bedeutung verlieren.

Die neuen Technologien werden sicher einiges verändern. Arbeitswelt und Wissenstransfer werden dadurch mobiler. Sie können aber die nahräumliche Interaktion nicht auflösen und den Face-to-Face-Kontakt nicht ersetzen. München hat dabei alle Zutaten einer innovativen Gesellschaft.- Dr.-Ing. Michael Bentlage

Die Metropolregion München sieht er deshalb weiter auf dynamisches Wachstum programmiert. Ein weiterer großer Vorteil der Ballungszentren ist dabei, dass bei einem Wohnort- und/oder Arbeitsplatzwechsel das soziale Umfeld erhalten bleibt. Und die großen Arbeitgeber wollen natürlich möglichst viel Bevölkerung um sich herum und damit eine hohe Verfügbarkeit an Fachkräften haben.

Weiter ging Dr.-Ing. Michael Bentlage anhand mehrerer Folien einer interessanten Frage nach: Wie viele Menschen leben innerhalb von 45 Minuten mit dem Pkw – normalen Verkehr natürlich vorausgesetzt – um einen Standort? Um den Hauptbahnhof München sind es 2,7 Mio., um das Autobahnkreuz München Nord sogar noch mehr: 3,1 Mio. Und um Pfaffenhofen immerhin noch 1,7 Mio. Das Gegenbeispiel liefert Zwiesel mit nur 0,2 Mio.

Wachstum in vernünftige Bahnen lenken


Gerade der Münchener Norden steht laut dem Referenten bei der weiteren Entwicklung im Fokus. So auch bei der seit rund 10 Jahren festzustellenden Bewegung innerhalb des Ballungsraumes aus München hinaus. Im Rahmen einer Studie ermittelte Dr.-Ing. Michael Bentlage im Jahre 2016 mit zwei wissenschaftlichen Kollegen die Entscheidungskriterien bei einem Wohnortwechsel innerhalb der Metropolregion München.
Unter den insgesamt 7302 Befragten kristallisierten sich drei klare „Bewegungsmuster“ heraus:

  1. Konzentriertes Angebot, um einen urbanen Lebensstil zu pflegen
  2. Komfortableres Wohnen (nicht zwangsläufig das Eigenheim im Grünen)
  3. Verringerung der Fahrzeit zur Arbeit auf und der Fahrtkosten

Bleibt die zentrale Frage: Wie kann das vermutlich weiter dynamische Wachstum in der Metropolregion in vernünftige Bahnen gelenkt werden? Für Dr.-Ing. Michael Bentlage liegen die Schlussfolgerungen aus seinen Studien auf der Hand:

Es kann nicht alles auf die Stadt München ausgerichtet bleiben. Das erfordert auch ein Umdenken beim weiteren Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und eine Abkehr vom radialen Spinnennetz mit Konzentration auf München. Gleichzeitig müssen Urbanisierungsprozesse an anderen Standorten angestoßen werden. Die Lösung ist eine polyzentrische Metropolregion.- Dr.-Ing. Michael Bentlage
Der Referent im Gespräch mit Pressevertretern. Foto: Manfred Hailer

Doch aufkommende Erwartungen und Hoffnungen bei den Zuhörern erhielten vom Referenten postwendend einen Dämpfer. Er sieht aktuell die Entwicklungsdynamik weiter ganz auf München konzentriert und mit der zweiten Stammstrecke der S-Bahn wird dieses System nach Ansicht von Dr.-Ing. Michael Bentlage nur noch weiter zementiert. Und selbst im Falle eines Umdenkens müsste man damit rechnen, dass aufgrund der extrem langen Planungs- und Genehmigungsverfahren Jahrzehnte bis zur Realisierung vergehen ... Bei der abschließenden Diskussion sprach sich auch Landrat Martin Wolf wie der Referent für „Ringschlüsse“ innerhalb der Metropolregion aus.

Das Schlusswort gehörte noch einmal dem Gastgeber:

Es gibt viele Chancen. Wir brauchen aber ein klares Zielbild und Gestaltungswillen. Die Idee alleine bringt uns nicht weiter. Wir müssen hart mit der Politik diskutieren.- Norbert Lienhardt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pfaffenhofen

Mit einem Dank an den Referenten und die Besucher sowie die Organisatorin der Veranstaltung, Melanie Haslinger, für die wieder einmal perfekte Durchführung schloss der Sparkassen-Chef den offiziellen Teil der Veranstaltung. Bei Bewirtung durch die Sparkasse und interessanten Gesprächen und Nachbetrachtungen zu den Ausführungen des Referenten klang der Abend gesellig aus.

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